![]() |
|
Sie sind hier: Home » Veröffentlichungen » Manuelle Lymphdrainage: Sanfte Methode, starke Wirkung
Renate Raptis, Bildungsgangleiterin Kosmetik an der Anna Herrmann Schule, in BEAUTY FORUM, Fachmagazin für Kosmetik, Ausgabe 12/2007
Die manuelle Lymphdrainage ist eine äußerst vielseitig einsetzbare und effektive Methode. Worin ihre Besonderheiten liegen, für welche Bereiche sie besonders geeignet ist und was bei der Ausbildung zu beachten ist, schildert Renate Raptis im Gespräch mit BEAUTY FORUM.
BEAUTY FORUM: Was ist das Besondere an der Methode der manuellen Lymphdrainage? Renate Raptis: Dass sie zum Beispiel keine Massage ist. Es handelt sich bei der manuellen Lymphdrainage vielmehr um eine Abfolge von Griffen, die durch rhythmische Schub- und Entspannungsphasen den Lymphbahnen des Körpers folgen. Die verschiedenen Griffe werden mit sanftem Druck ausgeführt und sind daher besonders für problematische Hautzustände gut anwendbar. Das Besondere an der manuellen Lymphdrainage ist die Möglichkeit, auf viele Vorgänge Einfluss zu nehmen, die mit unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden zu tun haben. Damit ist Folgendes gemeint: Durch die manuelle Lymphdrainage wird der Abtransport der Lymphe über deren Gefäße angeregt. Es findet also eine Drainage des interstitiellen Bindegewebes statt. Die im Zwischengewebe enthaltenen Fremdkörper und Krankheitserreger werden ebenfalls mit abtransportiert und in den Lymphknoten abgebaut. Da sich im interstitiellen Bindegewebe wichtige Transportvorgänge abspielen, die der Ernährung der Körperzellen wie auch dem Abtransport von Stoffwechselendprodukten dienen, können durch die manuelle Lymphdrainage verbesserte Verhältnisse hergestellt werden, die wiederum die Voraussetzung für eine gesunde Haut sind. Die manuelle Lymphdrainage nimmt gleichzeitig positiven Einfluss auf den Parasympathikus des Kunden, so dass eine allgemeine Beruhigung eintritt.
BEAUTY FORUM: Wofür wird die manuelle Lymphdrainage im therapeutischen Bereich eingesetzt? Wie kann und darf sie im kosmetischen Bereich eingesetzt werden? Renate Raptis: Man muss ganz klar zwei Bereiche unterscheiden: Im therapeutischen Bereich wird die manuelle Lymphdrainage am kranken Menschen durchgeführt. Diese Erkrankungen haben ihre Ursache in einem nicht mehr voll funktionsfähigen Lymphsystem, was in Folge zu einer Ödembildung führt. Dafür gibt es viele verschiedene Ursachen, wie zum Beispiel genetische Veranlagung, Operationen oder Unfälle, Erkrankungen von Organen oder Kreislauf u.a. Ihre Behandlung ist die Domäne der Ärzte, Physiotherapeuten und Masseure.
Einsatz in der Kosmetik Die Kosmetikerin kann in zwei Sparten tätig sein: Wenn sie allein verantwortlich am Kunden arbeitet, stellt sich für sie die manuelle Lymphdrainage – ihrem Aufgabenbereich gemäß – als ein Verfahren zur Pflege und Gesunderhaltung der Haut dar. Dabei kann auf folgende Bereiche Einfluss genommen werden:
Sparte zwei ist die dermatologische bzw. medizinische Kosmetik. Das Tätigkeitsfeld der Kosmetikerin erweitert sich hier insofern, als nun auch Narben und Akne mit manueller Lymphdrainage behandelt werden können. Dies kann eigenständig durchgeführt werden, wenn es sich um schon verheilte Narben handelt und die Aknebehandlung an einer Acne comedonica (ohne schwere Entzündungen) durchgeführt wird. Schwerpunkt der dermatologisch-medizinischen Kosmetik ist aber die Zusammenarbeit der Kosmetikerin mit Dermatologen und Ästhetisch-Plastischen Chirurgen. Die Kosmetikerin arbeitet in ihrem Institut und erhält vom Arzt die Kunden zugewiesen. Dabei ist natürlich eine stete Absprache mit dem Arzt unbedingte Voraussetzung. Ihr Arbeitsplatz kann aber auch direkt in die Klinik oder Arztpraxis integriert sein. In den letzten Jahren ist eine stärker werdende positive Entwicklung in diesem Bereich zu erkennen.
Problemfälle behandeln BEAUTY FORUM: In welchen Bereichen kann die manuelle Lymphdrainage besonders erfolgreich eingesetzt werden? Renate Raptis: Bei der Zusammenarbeit mit dem Dermatologen ist neben Aknetoilette und Fruchtsäurebehandlungen die manuelle Lymphdrainage ein besonders wichtiges Behandlungselement. In der Aknetherapie wirkt die manuelle Lymphdrainage positiv auf das Hautbild. Durch ruptierte (geplatzte) Komedonen können beispielsweise Bakterien, Zelltrümmer und Talg in das umliegende Gewebe gelangen und dort Entzündungen verursachen, die den Aknezustand verschlimmern. Die manuelle Lymphdrainage drainiert das Gewebe und beugt so Entzündungen vor. Bakterien werden abtransportiert und in den Lymphknoten vernichtet. Die Geweberegeneration wird gefördert und die Narbenbildung verringert.
Wertvolle Unterstützung Bei der Zusammenarbeit mit dem Ästhetisch-Plastischen Chirurgen werden Kosmetikerinnen zur Vor- und Nachbehandlung bei Schönheitsoperationen eingesetzt. Die manuelle Lymphdrainage hat in diesem Bereich ihre stärkste Anwendung. Die Haut wird vor einer Schönheitsoperation in dem zu operierenden Bereich durch kosmetische Behandlungen und manuelle Lymphdrainage optimal auf den Eingriff vorbereitet (Gewebedrainage, Immunabwehr, Zellversorgung). Durch die Schnittführung werden bei einer Schönheitsoperation feinste Lymphgefäße durchtrennt. Wenn das Gewebewasser dieses Hautareals nicht abgeführt werden kann, entsteht ein Ödem, das zusätzlichen Druck und Zug auf die Naht ausübt. Dadurch kann sich der Prozess der Wundheilung verzögern – auffällige Narben können entstehen. Die manuelle Lymphdrainage wirkt diesem Prozess entgegen. Wichtig ist auch die Narbenbehandlung selbst. Die manuelle Lymphdrainage ist eine unterstützende Methode, um Verwachsungen und Kelloidbildungen vorzubeugen.
Über das Gesicht hinaus BEAUTY FORUM: Dürfen Kosmetikerinnen die manuelle Lymphdrainage auch am Körper durchführen? Renate Raptis: Selbstverständlich dürfen sie die manuelle Lymphdrainage auch am Körper durchführen, wenn eine entsprechende Ausbildung vorliegt. Das Haupteinsatzgebiet für die manuelle Lymphdrainage innerhalb der Kosmetik ist bislang Gesicht und Dekolleté. Das ist insofern verständlich, da die Gesichtsbehandlung auf diesem Sektor eine der wichtigsten Anwendungen darstellt. Die Lymphdrainage in den verschiedenen Körperbereichen ist aber genauso wichtig, da wir doch den Anspruch einer Ganzheitskosmetik haben, die den gesamten Körper mit einschließt. Gerade wenn die Kosmetikerin im medizinischen Bereich arbeiten möchte, benötigt sie die Kenntnisse der manuellen Lymphdrainage für den gesamten Körperbereich, denn Schönheitsoperationen werden ja nicht nur im Gesicht durchgeführt. Brustimplantate oder Straffungen der Bauchdecke und Oberarme, Fettabsaugungen an Oberschenkeln und Gesäß sind nur einige Beispiele ästhetisch-plastischer Eingriffe, bei denen die Kosmetikerin die Vor- und Nachbehandlung mit manueller Lymphdrainage durchführen kann. Das Problem liegt nicht darin, ob die Kosmetikerin die manuelle Lymphdrainage am Körper durchführen darf, sondern darin, dass sie es meistens nicht gelernt hat. Bis auf wenige Ausnahmen wird die manuelle Lymphdrainage in der schulischen Kosmetikausbildung, wenn überhaupt, dann nur für den Bereich Gesicht und Dekolleté gelehrt.
Fundiertes Wissen muss sein BEAUTY FORUM: Worauf ist zu achten, wenn man sich in manueller Lymphdrainage ausbilden lassen möchte? Renate Raptis: Mit der Möglichkeit, in der dermatologisch-medizinischen Kosmetik zu arbeiten, wachsen auch die fachlichen Ansprüche an die Kosmetikerin. Um den professionellen medizinischen Standards der Dermatologen und Plastischen Chirurgen sowie der Verantwortung gegenüber dem Kunden gerecht zu werden, muss eine fundierte Kosmetikausbildung auch im medizinischen Bereich vorhanden sein. Dazu sind Kenntnisse in Anatomie und Physiologie des Lymphsystems, Grifftechniken, Indikationen und Kontraindikationen, Anwendungsmöglichkeiten in der medizinischen Kosmetik ebenso notwendiger Bestandteil einer umfassenden Ausbildung wie auch das Wissen um die praktische Anwendung der manuellen Lymphdrainage am gesamten Körper. Wer eine Ausbildung zur Kosmetikerin anstrebt und Interesse an medizinischer Kosmetik und manueller Lymphdrainage hat, sollte bei der Wahl der Ausbildungsstelle darauf achten, dass diese über entsprechende Fächer wie medizinische Kosmetik und Lymphdrainage (auch des Körpers) verfügt. Kosmetikerinnen, die schon im Beruf stehen, können entsprechende Lymphdrainagekurse besuchen. Voraussetzung ist eine mindestens einjährige Ausbildung zur geprüften Kosmetikerin. Die Kurse in manueller Lymphdrainage sollten den Zusatz "nach Dr. Vodder und Dr. Asdonk" tragen. Sie sollten gestaffelt aufeinander aufbauen und eine Gesamtstundenzahl von ca. 80 Unterrichtsstunden nicht unterschreiten. Es ist wichtig, dass in den Kursen nicht nur praktisches, sondern auch theoretisches Wissen vermittelt wird.
BEAUTY FORUM: Sie haben bei der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie die Prüfung zur "Fachlehrerin für Manuelle Lymphdrainage in der dermatologischen Kosmetik" abgelegt. Was ist Ihnen als Ausbilderin wichtig? Renate Raptis: Von Anfang an war es mein Anliegen, meinen Schülerinnen im Unterricht und den Kosmetikerinnen, die meine Lymphdrainagekurse besuchen, die Sicherheit mitzugeben, von einer autorisierten Lehrkraft unterrichtet zu werden. Somit können alle Kosmetikerinnen nach Ausbildungsabschluss oder Kursende selbstsicher an den Kunden herantreten und brauchen keine Kompetenzängste bei der Zusammenarbeit mit Dermatologen und Ästhetisch-Plastischen Chirurgen zu haben. Kosmetikerinnen, die manuelle Lymphdrainage ausüben oder in Zukunft ausüben werden, möchte ich noch darauf hinweisen, dass es innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie (DGL, www.dglymph.de) den Bereich "Dermatologische Kosmetik" gibt. Bei deren Jahrestagung finden regelmäßig neben ärztlichen Fachvorträgen zum Thema "Lymphologie" auch Refresherkurse für Kosmetikerinnen statt, die aus einem theoretischen und einem praktischen Teil bestehen. Zuletzt wurde beispielsweise das Thema "Narbenbehandlung und Lymphdrainage in der dermatologischen Kosmetik" behandelt. Wer als Kosmetikerin Mitglied der DGL ist, kann sich auch jederzeit mit medizinischen Fragen oder kosmetisch-dermatologischen Fragen zum Thema Lymphe und Lymphdrainage an die Gesellschaft wenden.
Behandlungsdauer und Kalkulation Setzt man die manuelle Lymphdrainage als einzelne Behandlung ein, dann sollte die Zeitschiene mit ca. 20–30 Minuten beginnen und bei weiteren Behandlungen auf etwa bis zu 1 Stunde ausgedehnt werden. Der Preis kann ähnlich einer Massage abgerechnet werden, dabei wird 1 Euro pro Minute berechnet. Es empfiehlt sich, eine regelmäßige Behandlung über einen entsprechenden Zeitraum durchzuführen. Behandlungsdauer und -häufigkeit sind vom Kunden und von der Problemstellung abhängig. Wird die manuelle Lymphdrainage in eine kosmetische Behandlung integriert, kann sie an die Stelle der Gesichtsmassage gesetzt werden. Dies ist zu empfehlen, wenn die Haut schon Rötungen aufweist oder generell sensibel ist. Die Behandlung sollte dann im Preis gleich bleiben. Arbeitet die Kosmetikerin im dermatologisch-medizinischen Bereich, kann die Preisgestaltung höher ausfallen, denn ihre Tätigkeit erfährt durch die Zusatzqualifikation eine Aufwertung.
<< zurück zur Übersicht Veröffentlichungen
Infotermine | Bildungseinrichtungen | Ausbildungen | Weiterbildungen | Kurse | Aktivitäten | Wir über uns | Kontakt Studieninfos/Newsletter | Alumni Club | Präha-Videos | Präha-Quiz Presse | Veröffentlichungen | Internationale Partner | Präha-Jobs Copyright © by Präha Gruppe | Impressum
|
|
||