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aus: "Zeitschrift für Tanztherapie - Körperpsychotherapie", Ausgabe 21/22.2005
"Public Relations" heißt "öffentliche Beziehungen". PR-Arbeit ist also eine "Beziehungsarbeit" mit der Öffentlichkeit. Dass die Öffentlichkeit in Deutschland eine "Beziehung" zur Tanztherapie erhält, sie kennen und schätzen lernt, und sich so das Berufsfeld Tanztherapie entwickeln kann, war und ist auch heute noch ein Anliegen von Wally Kaechele. Ihre Öffentlichkeitsarbeit umfasst u.a. Referate auf Ärzte - und Tanzlehrerkongressen, Fernsehberichte und Zeitungsartikel. Bei dem Interview-Termin mit Wally Kaechele hat sie uns, Sabine Trautmann-Voigt und mir, Beate Neumann-Jastak, Zeitungsberichte von 1970 bis 1989 zur Verfügung gestellt, die den wichtigen Zeitraum von den Anfängen ihrer tanztherapeutischen Arbeit bis zur Eröffnung des Langen Instituts für Tanz- und Ausdruckstherapie als erster Ausbildungsstätte für Tanztherapie in Europa beschreiben. Die Zeitungsartikel dokumentieren ihre Arbeit und veranschaulichen ihre Öffentlichkeitsarbeit. Das Spektrum der Presse umfasst Fachzeitschriften wie ,Der praktische Arzt", "Gesundheit aktuell", "Neue Gesundheit", "Tanz Illustrierte", "Musiktherapie und angrenzende Bereiche" (in "Musik + Medizin") und "Tanz Illustrierte", regionale Tageszeitungen wie "Neue Ruhr Zeitung", "Kölner Stadtanzeiger", "Kölner Rundschau", "Rheinische Post" und "Bergische Post", überregionale Zeitungen wie "Welt am Sonntag" und die "Frankfurter Allgemeine" und Illustrierten wie "Bunte", "Hör zu" und "Brigitte". "Tanzen ist besser als Tabletten schlucken" (Hör zu 1985), "Rezept für Senioren: Polka statt Pillen" (Welt am Sonntag 1977), "Tanzen auf Krankenschein" (Neue Gesundheit 1983), "Bewegungskrüppel dank der Gesellschaftsnorm" (Rheinische Post 1981), "Tanzen hält Leib und Seele zusammen" (Brigitte 1981), "Neue Tanztherapie Balsam für die Seele" (Kölner Rundschau 1981), "Tanzstunden für die Seele" (Bunte 1983), "Tabletten, Pillen, Drogen? Nein - tanzen" (Bunte 1983), mit solchen Schlagzeilen provozieren die Redakteure und stellen Tanztherapie teilweise als Alternative zur "Medikamenten-Medizin" dar. Auch wenn so eine Vereinfachung dem Anliegen der Tanztherapie nicht gerecht wird, so sind solche Schlagzeilen doch geeignet, Neugierde und Interesse für Tanztherapie zu wecken und Diskussionen darüber hervorzurufen. Anlässe für die Berichterstattung sind die verschiedenen Stationen von Wally Kaecheles Wirken: Ihre Kurse "Bewegungstherapie auf dem Parkett", ihre Referate und Demonstrationen auf Tanzlehrer- und Ärzte-Kongressen, Berichte über Fernsehaufzeichnungen, ihr Beitrag bei dem 1. International Dance Therapy Congress in Toronto / Kanada, der 1. Internationale Kongress für Tanzlehrer in der Fachrichtung Bewegungstherapie auf Menorca, die Gründung des Bundesverbandes für Tanztherapie BVT, die Eröffnung der ersten Ausbildungsstätte für Tanztherapie, ihre Namensgebung in "Dietrich-Langen-Schule" und ihr Umzug in die Marienburg in Monheim. Dabei wird zum einen über das jeweilige Ereignis - meistens mit Tanzfotos illustriert - berichtet und zum anderen der Anlass wahrgenommen, allgemein und ausführlich über Tanztherapie zu informieren. So werden in den Artikeln Tanztherapie definiert und näher erklärt, ihre Heilwirkung bei Krankheiten erläutert, Ausbildung und Berufsmöglichkeiten vorgestellt und die geschichtliche Entwicklung beschrieben. Ausführlich dargestellt wird in den Zeitungsberichten Wally Kaecheles "Bewegungstherapie auf dem Parkett", die als "Heilgymnastik" (NRZ 1970), als "Turnstunde für Behinderte, für Körper und Seele" (Gesundheit aktuell 1984), als "Opladener Tanzgymnastik" (keine Angabe, 1973), als "Gymnastik einmal anders" (Titel der ZDF-Spots, Bergische Post 1973) und als "Neue Form des "Trimm dich gesund" (Rheinische Post 1971) bezeichnet wird. Von den verschiedenen Randgruppen der Gesellschaft - ältere Menschen, geistig Behinderte, Blinde, Gehörlose, Rollstuhlfahrer, Sonderschulkinder -, mit denen Wally Kaechele ihr Tanzangebot oft in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule, Altersheimen und anderen Institutionen durchführt hat, wird vor allem von den Kursen mit Senioren berichtet. Bei der "Bewegungstherapie auf dem Parkett" mit älteren Menschen werden einfache Bewegungen aus Mode- oder Party-Tänzen zu Beat-Musik vermittelt. Mit diesen Tänzen wird die Möglichkeit geboten, "mit anderen Menschen geselligen Kontakt mit gleichzeitiger fröhlicher Bewegungsschulung auszuführen. Immer soll der "Schüler" das Gefühl haben, sich aus eigenen Impulsen zu bewegen. Also: Keine Kommandos, keine Wettbewerbe, kein Leistungssport. Und: Perfektion ist Nebensache." (Rheinische Post 1972). Anschauliche Bilder wie Fensterputzen, Skilaufen, Schlittschuhläufer, Seilchenspringen und Wollewickeln erleichtern dabei den Einstieg in die tänzerische Bewegung. Dieses Tanzangebot wird auch deshalb von den älteren Menschen so gut angenommen, weil es ihre Lebenssituation berücksichtigt. "Wenn sie allein sind, werden sie von der Gesellschaft vor die Tür gesetzt. Hier aber können sie kommen, auch wenn sie keinen Partner haben" (Wally Kaechele, Rheinische Post 1972). "Wichtig ist auch, dass sich die Teilnehmer vorher nicht umziehen müssen". "Weder brauchen sie einen Gymnastikanzug noch - wie bei der Tanzschule herkömmlichen Stils - ein gutes Kleid anzuziehen" (Wally Kaechele, Bergische Post 1972). Deutlich wird, dass hierbei alles, was die Menschen hindert, zum Tanzen zu kommen, alle Bewegungshemmnisse ausgeräumt werden. Die Menschen erhalten die Erlaubnis, so zu kommen wie sie sind. "Jeder kann kommen, wie er gerade geht und steht." (Brigitte 1981). Diese Hindernisse sind darauf zurückzuführen, "dass durch gesellschaftliche Normen und Zwänge das natürliche Bewegungsverhalten stark eingeschränkt wird." (Kölner Rundschau 1981). Der gesellschaftskritische Aspekt zeigt sich in der Abwendung von starren Gesellschaftstanzformen, die Wally Kaechele mit ihrem Angebot der "Bewegungstherapie auf dem Parkett" beabsichtigt. Die Freiheit von gesellschaftlichen Normen und Hindernissen ist ein erster Schritt zu einer Freiheit für mehr "Lebensfreude durch fröhlichen Tanz" (Kölner Stadtanzeiger 1972). Das Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen, können wachsen. Ziel ist es, zu älteren Menschen und anderen Randgruppen der Gesellschaft Kontakt aufzunehmen, sie "abzuholen" und ihnen den Zugang zum Tanzen zu ermöglichen. Diese Kontakt- und Beziehungsaufnahme zeigt ein wichtiges Prinzip der Tanztherapie, das in den Kursen verwirklicht und dann auch in den Zeitungsberichten deutlich dargestellt wird. Außer der Schilderung des Tanzens dokumentieren große Bilder der Tanzenden und Erfahrungsberichte einzelner Teilnehmer die erfolgreiche Beziehungsarbeit der "Bewegungstherapie auf dem Parkett" und der Anfänge der Tanztherapie. "Ich kann mich auch viel besser konzentrieren als früher!", "Ich musste mich doch zusammennehmen, ...Seit ich durch die Tanztherapie wieder mehr auf meinen Körper und seinen Ausdruck achte, geht es mir besser." "Inzwischen ist es mir egal geworden, was die anderen im Kurs von meiner Art, mich zu bewegen, halten und ob immer alles genau "stimmt". Ich achte vielmehr darauf, wie ich mich selbst dabei fühle" (Brigitte 1981). "Vorher hatte ich überhaupt nicht gewusst, dass Tanzen auch einen therapeutischen Wert hat. Ich wollte nur kein Bewegungskrüppel werden" (Gesundheit aktuell 1984). Die ganzheitliche Wirksamkeit der Tanztherapie bestätigt Wally Kaechele: "Tanzen lockert nicht nur verkrampfte Muskeln, sondern auch die Seele." (Welt am Sonntag 1977). Dr. med. Eberlein betont auch den Wert für die Gesundheit: "Keine Therapie im Kampf gegen die Zivilisationskrankheiten kann so unkompliziert helfen wie rhythmische Tanzbewegung, denn diese Therapie macht Freude. Tanzen ist gewissermaßen eine süße Medizin" (Bergische Post 1973). Die Botschaft "Tanzen macht Spaß und ist gesund." (Wally Kaechele, Bergische Post 1973) spricht aber nicht nur das Bedürfnis der Kursteilnehmer an, sondern interessiert auch weite Kreise der Bevölkerung. Gerade weil viele Menschen sich nicht getrauen, aber doch das Bedürfnis haben zu tanzen, ist Wally Kaecheles Tanzangebot und sein Erfolg von Interesse für die Allgemeinheit und findet deshalb in der Presse und in den Medien einen Platz. Wie die Kursteilnehmer werden die Leser der Zeitschriften und die Zuschauer der Fernsehsendungen bei ihrem Tanzbedürfnis abgeholt, indem ihnen die Erlaubnis zum Tanzen gegeben wird. "Ich habe die Leute aufgefordert sich frei zu bewegen, jedermann, der vorm Fernseher saß!" (Wally Kaechele im Interview) So ist schließlich das Bedürfnis nach Ausdruck im Tanz - so wie es dem Zeitgeist entspricht (siehe auch Interview) - die Basis dafür, dass der Kontakt zu den Menschen und die "Beziehungsarbeit" mit der Öffentlichkeit gelingen können. Auf der Grundlage des gemeinsamen Interesses an tänzerischem Ausdruck entsteht eine Wechselbeziehung von tanztherapeutischem Ereignis und Berichterstattung in der Presse. Nach dem Motto der Öffentlichkeitsarbeit: "Sprich über das, was du tust." wird über die einzelnen Stationen, wie sich Tanztherapie in Deutschland entwickelt hat, immer wieder berichtet. Durch diese Wechselseitigkeit wird der Erfolg, die Anerkennung und Etablierung der Tanztherapie ermöglicht und vorangetrieben. Bezeichnend für Wally Kaecheles Öffentlichkeitsarbeit ist, dass sie die Tanztherapie sowohl in Fachkreisen - bei Ärzten, Psychotherapeuten und auch bei Gesellschaftstanzlehrern - als auch in der breiten Öffentlichkeit vorgestellt hat. In dem Gesundheitsbereich wird so die wissenschaftliche Diskussion über die Heilwirkung des Tanzes in die Wege geleitet, im Freizeitbereich werden Tanzangebote für Randgruppen der Bevölkerung entwickelt. In der breiten Öffentlichkeit sorgt ein größerer Grad an Bekanntheit dafür, dass ein "öffentliches Interesse" an Tanztherapie entstehen kann. Bei der Auseinandersetzung mit Tanztherapie können sich die unterschiedlichen Bereiche mit ihren verschiedenen Aspekten gegenseitig ergänzen. So wird eine gute Basis für berufspolitische Weichenstellungen und Entscheidungen geschaffen. Die Öffentlichkeitsarbeit hat die berufspolitische Arbeit Wally Kaecheles ermöglicht. Diese hat nicht nur in der Gründung der ersten Ausbildungsstätte für Tanztherapie in Deutschland bestanden, sondern auch in ihrem Engagement, ein Berufsfeld für Tanztherapeutinnen zu erschließen, immer mehr zu erweitern und zu verbessern. Die Öffentlichkeitsarbeit ist also nur ein Teil von Wally Kaecheles Arbeit für die Tanztherapie - jedoch ein wesentlicher, der sich mit den anderen Bereichen wechselseitig ergänzt und sie unterstützt. Für solch eine umfassende "Beziehungsarbeit" mit der Öffentlichkeit zu sorgen, dies zeigt die Weitsicht und Klugheit Wally Kaecheles und ihr Gespür für Entwicklungsmöglichkeiten in der Gesellschaft. Dafür erforderlich sind sowohl Ausdauer, Kraft und viel idealistisches Engagement, aber auch Pragmatismus und eine realistische Einschätzung von Tendenzen und Trends in einer Gesellschaft. Das Hauptanliegen Wally Kaecheles war und ist die Tanztherapie in Deutschland bekannt zu machen und eine Basis für die Etablierung des Tanztherapie-Berufes zu schaffen. Dies war die Voraussetzung für die tanztherapeutische Versorgung in Deutschland. Dies ist weitest gehend ein Verdienst von Wally Kaechele. Damit hat Wally Kaechele eine ganz wesentliche Pionierarbeit für die Anerkennung der Tanztherapie in Deutschland geleistet, eine Pionierarbeit, von der wir Tanztherapeutinnen und Tanztherapeuten alle profitieren. Danke, Wally!
Zeitlicher Überblick
Fortbildungen; Referate und Seminare auf zahlreichen Kongressen, vor allem für Ärzte, im In- und Ausland von 1968 bis heute
Referate und Seminare auf Kongressen für Ärzte und Therapeuten:
Fortbildungen an Kliniken, u.a. Mainz (Prof. Dr. med. Langen), Freiburg, Klagenfurt
Gründungsmitglied in vielen Vereinigungen (außer den oben genannten):
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