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Die Mutter des Erfolgs Die Mutter des Erfolgs

Vorbild, Coach, Mutmacherin - unseren Müttern haben wir beruflich meist viel zu verdanken. Ganz egal ob wir in ihre Fußstapfen getreten sind oder eigene Wege gehen

freundin, Ausgabe 10/2007

Sie hat Kate Moss. Madonna, Angela Merkel und Mutter Teresa abgehängt - werden junge Frauen nach ihren Vorbildern gefragt, landet die eigene Mama auf Platz eins. Kurz vor dem Muttertag am 13. Mai ein ebenso überraschendes wie erfreuliches Ergebnis. Dabei ist es eigentlich logisch: Mütter sind die besten Orientierungsmodelle. weil wir nicht nur Stupsnase oder Schokolust von ihnen geerbt haben, sondern auch einen Teil ihrer Fähigkeiten. Der Psychologe Albert Bandura stellte fest: Die meisten Menschen suchen sich ein Vorbild, das ihnen ähnlich ist und dessen Erfolge für sie selbst erreichbar scheinen. Daher punktet Mama gegen Kate Moss, auch wenn (oder gerade weil) sie ein paar Kleidergrößen mehr und ein paar Millionen weniger vorzuweisen hat.

"Hilfe, ich bin wie Mutti!" Diese Erkenntnis versetzt uns manchmal in Panik. Muss sie aber nicht, denn gerade in beruflicher Hinsicht lohnt es sich. die Stärken der Mutter zu den eigenen zu machen: Banduras Theorie des Modelllernens sagt aus, dass wir - nicht nur als Kind - von Identifikationspersonen lernen und Verhalten kopieren, wenn es zum Erfolg führt. Eine Studie der Hamburger BWL-Professorin Sonja Bischoff unter mauert diesen Ansatz: Fast die Hälfte der Frauen, die über 100000 Euro im Jahr verdienen, haben eine Mutter, die ebenfalls im Beruf erfolgreich ist oder war. Nur 14 Prozent der Großverdienerinnen stammen aus einer Familie, in der die Mutter niemals gearbeitet hat.

"Wie stark die Mütter unsere Karriere beeinflussen, ist uns oft gar nicht bewusst", meint Madeleine Leitner. Psychologin und Personalberaterin aus München (www.madeleine-leitner.de). Schon durch die Werte und Einstellungen. die sie durch ihre Erziehung vorgelebt und vermittelt haben, prägen sie den Werdegang ihrer Kinder entscheidend.

Mamas Alltagstricks: zur Nachahmung empfohlen
Um darüber hinaus von der Mutter zu lernen, muss man beruflich nicht in ihre Fußstapfen treten, man kann sich auch im Alltagsleben vieles von ihr abschauen. Ihre Umsicht bei der Urlaubsplanung, das Selbstbewusstsein. mit dem sie beim Einkaufen einen Rabatt aushandelt - jede Mutter hat Tricks und Strategien auf Lager, die wir im Job gut gebrauchen können. "Obwohl meine Mutter Hausfrau ist und seit längerer Zeit nicht mehr arbeitet. ist sie Vorbild für mich", sagt Gymnastiklehrerin Jeanette Augusto. "Ich bewundere ihre offene Art, mit der sie so schnell Menschen für sich gewinnen kann."

Es gibt allerdings auch Mütter, die für ihre Töchter Negativ-Vorbilder sind: "In diesem Fall wollen die jungen Frauen in beruflicher Hinsicht alles anders machen", meint Soziologin und Familientherapeutin Brigitte Löhr-Heinemann. "Kinder aus dem Arbeitermilieu zeigen oft viel Ehrgeiz bei der Ausbildung, um sich neue Chancen zu eröffnen. Sie wollen nicht wie die Mutter in einem Job enden. in dem sie ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen können."

Dieser Effekt lässt sich auch in die entgegengesetzte Richtung beobachten: Hat eine Frau die Eltern als erfolgreich. aber gestresst und abgekämpft in Erinnerung, empfindet sie den Preis für eine Karriere vielleicht als zu hoch. Fühlte sie sich als Kind oft alleingelassen, steigt sie selbst zugunsten ihrer Familie möglicherweise auf einen Teilzeitjob um. Nicht allein Position und Gehalt der Eltern, sondern auch ihre Zufriedenheit mit der Situation beeinflussen also die eigenen Job-Pläne.

Ein starkes Vorbild kann auch eine Belastung sein
Durch eine erfolgreiche Mutter wird die Karriereleiter aber nicht automatisch zur Rolltreppe: "Mit einem starken Vorbild steigt der persönliche Maßstab, selbst wenn die Familie bewusst keinen Druck ausübt. Viele Kinder fühlen sich trotzdem zum Erfolg verdammt und weigern sich, mit der Leistung ihrer Eltern zu konkurrieren", erklärt Dorothee Döring, Persönlichkeitstrainerin und Autorin von "Wodurch wir wurden, was wir sind" (Kreuz, 16,95 Euro). "Will sich die Tochter in der gleichen Branche etablieren wie die Mutter, braucht sie ein starkes Selbstbewusstsein." Besonders, wenn sie in den Betrieb oder die Praxis der Mutter einsteigt, werden die Ergebnisse ihrer Aktionen in Vergleich gesetzt - auch von den Mitarbeitern oder Kunden. Unter diesen Umständen ist es schwer, eine eigene Identität aufzubauen.

Manche Töchter versuchen deshalb, sich bewusst abzugrenzen und sich auf einem ganz neuen Gebiet zu profilieren. Während ihre Schwester der Mutter im Bereich Personalmanagement nacheifert, hat sich Meike Hess entschieden, Schauspielerin zu werden: "Das Talent. sich schnell auf Menschen einzustellen, haben wir beide von meiner Mutter geerbt. Ich wollte aber nie mit ihr und meiner Schwester auf dem Gebiet der Psychologie oder Beratung konkurrieren. Meine Arbeit im Theater hat außerdem den Vorteil, dass ich meine Empathie mit anderen Stärken kombinieren kann."

Die Berufswahl gibt viel Stoff für Zoff
Wenn es darum geht, einen Ausbildungsplatz zu finden, das Studium durchzuziehen oder einen ersten Job zu bekommen, fliegen in vielen Familien die Fetzen: "In ihrer Tochter scheinen sich für die Mutter Situationen ihres eigenen Lebens zu wiederholen - sie versucht, ihr Kind vor Enttäuschungen zu schützen", erklärt Dorothee Döring. "Die Tochter will aber selbst Entscheidungen treffen, eigene Fehler machen." Die mütterlichen Ratschläge kommen bei ihr schnell als unangebrachte Einmischung an: Meine Mutter will ihre Verantwortung nicht abgeben, sie traut mir nicht zu. auf eigenen Beinen zu stehen.

Gemäß dem Motto "Wenn schon aus mir nichts geworden ist, soll wenigstens aus dir was werden", drängen gerade Mütter, die selbst nicht gefördert wurden, ihre Töchter in den vermeintlichen Traumjob. "Bei Standortbestimmungen habe ich häufig mit Frauen zu tun, die sich nach fahren fragen, ob sie für ihre Stelle überhaupt geeignet sind", meint Madeleine Leitner. Eine ihrer Klientinnen, eine junge Ärztin. fühlte sich von der Verantwortung in der Klinik überfordert und wollte sich neu orientieren. Medizin studiert hatte sie vor allem auf Wunsch ihrer Mutter - denn die hatte als Krankenschwester für die Tochter ein höheres Ziel im Sinn.

Sich abzunabeln bedeutet. kritisch zu hinterfragen, warum man etwas tut - so schützt man sich davor, dass andere die Weichen stellen. Das ist erwachsen, aber auch etwas unbequem: Man kann nämlich später niemanden für seine Unzufriedenheit verantwortlich machen.

Lob und Anerkennung sind willkommen - Kritik nicht
Wenn Tochter Sabine mit 300 Stundenkilometern über die Rennstrecke flitzt, hofft Uschi Schmitz auf ihren Schutzengel. Die Angst behält sie für sich: "Verbieten kann man Sabine das Fahren nicht, also mache ich ihr mit meinen Sorgen nicht das Leben schwer." Moderiert Sabine das Magazin "D Motor" auf DMAX, sitzt ihre Mutter vor dem Fernseher. "Sie macht das toll, ich bin so stolz auf sie - nur als sie neulich so stark geschminkt war, habe ich gemeckert."

Selbst wenn die ersten Ziele im Job längst erreicht sind, wünschen wir uns Lob und Anerkennung von den Eltern.

Unerwünscht sind nach wie vor gut gemeinte Ratschläge und Kritik. "Auch wenn die Töchter längst mitten im Leben stehen, können ihre beruflichen Entscheidungen sehr emotionale Diskussionen auslösen", weiß Brigitte Löhr-Heinemann. "Man sollte verhindern, dass das Thema Job zum roten Tuch wird - sonst könnten Blockaden entstehen, die die Karriere behindern." Viele Konflikte lassen sich lösen. wenn man sich die Mühe macht, nach den Ursachen zu forschen.

Verständnis statt Vorwürfen: die Perspektive wechseln
Dafür kann man eine Nostalgiereise in die Kindheit unternehmen und zum Beispiel in alten Fotoalben blättern. "Nur wer sich mit der Mutter aussöhnt. kann sie als Vorbild schätzen". meint Dorothee Döring. Sie rät. sich in einem Gespräch mit ihr von Schuldkomplexen zu befreien: Hat meine Mutter auf ihre Karriere verzichtet. weil ich geboren wurde? Leiden die Eltern darunter. dass ich für den Job so weit weggezogen bin?

"Die Bereitschaft, sich in die Position der anderen hineinzuversetzen und damit den Blickwinkel zu wechseln, halte ich für einen wichtigen Schritt", meint Psychologin Leitner: "Erinnern Sie sich an drei typische Sätze Ihrer Mutter und überlegen Sie, welchen Stellenwert diese Themen heute in Ihrem Leben haben." Oft gehen bei Mutter und Tochter die Ideale auseinander - etwa wenn eine um die Absicherung bangt. während die andere Freiraum will. Oder Ansprüche stellt. die der älteren Generation fremd sind. Chris Brockhaus, die mit ihrer Tochter eine Firma gegründet hat. kennt dieses Problem: "Ich war anfangs skeptisch, wenn Stefanie verreisen wollte. obwohl viel Arbeit anstand. In ihrem Alter war es mir aber auch wichtig, spontane Pläne zu verwirklichen. Deshalb akzeptiere ich das jetzt und organisiere die Arbeit entsprechend."

Manche Mütter reden selten über die eigene Arbeit. Fragen Sie nach. was Ihre Mama an ihrem Beruf mag oder mochte und warum sie sich für ihn entschieden hat. Gerade weil es im Job an weiblichen Rollenvorbildern fehlt. sind solche Gespräche immens wichtig. Und machen Mut, wenn wir irgendwann selbst vor der Aufgabe stehen, unsere Kinder auf die Arbeitswelt vorzubereiten. "Ich finde. meine Mutter hat bei meiner Erziehung ziemlich viel richtig gemacht. Daran werde ich mich orientieren, wenn ich selber einmal Mutter bin", sagt Schauspielerin Meike Hess. Ein schöneres Kompliment kann man seiner Mutter wohl kaum machen.

 

Jeanette Augusto, Fachlehrerin an der Anna Herrmann Schule (re.) und ihre Mutter
Jeanette Augusto, Fachlehrerin an der Anna Herrmann Schule, (re.) und ihre Mutter

Bewegte Beziehung
Anneliese Breuer, 52, Hausfrau, und Jeanette Augusto, 32, Gymnastiklehrerin und Make-up-Artist

"Mein gesundes Selbstbewusstsein und mein Improvisationstalent habe ich von meiner Mutter geerbt", sagt Jeanette Augusto. Da beide den großen Auftritt lieben, hat sie Anneliese überredet, am Mutter-Tochter-Schönheitswettbewerb der Kosmetikfirma "frei" teilzunehmen. "Was sich Jeanette vornimmt, zieht sie durch". meint Anneliese Breuer. Sie gibt der Tochter bei beruflichen Entscheidungen volle Rückendeckung. Sogar ihre Ausbildung hat sie unterstützt, obwohl sie sich gewünscht hätte, dass Jeanette studiert. "Ich finde es toll. dass sie ihre Ziele ehrgeizig verfolgt und viel hartnäckiger ist als ich", meint Anneliese Breuer. Die gelernte Friseurin hat den Beruf für die Familie aufgegeben und möchte sich jetzt einer neuen beruflichen Herausforderung stellen. Nun macht Jeanette der Mutter Mut: "Wenn sie sich unterschätzt. versuche ich. sie zu motivieren. Ich darf sie nur nicht zu sehr drängen, sie muss ja selber dahinterstehen." Als Jeanette bei der Deutschen Make-up-Meisterschaft antrat, nahm sie die Mutter als Haar-Stylistin mit - und feierte mit ihr den Sieg.

 

Perfekte Augabenteilung
Chris Brockhaus, 56, Autorin und Unternehmerin, und Stefanie Brockhaus, 29, Filmemacherin, haben gemeinsam die Firma "family films" (www.familyfilms.de) gegründet

Aus einem Geburtstagsgeschenk für den Vater entwickelte Stefanie die Geschäftsidee für ihre Firma: Sie digitalisiert alte Super-8-Filme. schneidet die schönsten Familienszenen zusammen und brennt sie auf DVD. "Ich hatte keine Ahnung. wie man Kunden gewinnt und Aufträge abwickelt - ganz im Gegensatz zu meiner Mutter. Deshalb habe ich sie gefragt. ob sie einsteigen will". erzählt Stefanie. Bei der Erziehung ihrer Tochter waren Chris Brockhaus besonders Selbstständigkeit und Eigeninitiative wichtig. "Dass Stefanie meinen Unternehmergeist geerbt hat, hat mich natürlich gefreut. Ich wollte sie gern bei der Gründung unterstützen. Mir war aber klar, dass ich mit Kritik aufpassen muss - zumal ich mich mit Filmen überhaupt nicht auskenne." Während Stefanie die Filme künstlerisch bearbeitet. beschäftigt sich Chris mit Buchhaltung, Kundenbetreuung und Digitalisierung. So schöpfen beide ihre Stärken aus: Chris bewundert die Stilsicherheit ihrer Tochter. und die wiederum staunt, wie souverän ihre Mutter mit Kunden umgeht. "Außerdem rechne ich ihr hoch an, dass sie mir so viel Freiraum ermöglicht. Zurzeit kann ich wieder eigene Filmprojekte organisieren. während sie die Firma managt."

 

Benzin im Blut
Uschi Schmitz, 62, Hotelchefin am Nürburgring, und Sabine Schmitz, 37, Motorsportlerin

Das Rennfieber packte Sabine Schmitz in der Kneipe ihrer Mutter am Nürburgring: "Alle Motorsport-Legenden gingen hier ein und aus -wir Schwestern mussten ja Autofreaks werden. Mamas BMW haben wir zum Rennfahrzeug umgebaut und sind zum Einkaufen über die Nordschleife gebrettert." Uschi Schmitz gewöhnte sich an die Leidenschaft ihrer Mädchen. "Ich habe sie nicht ausgebremst. sondern bei der Anschaffung der Autos unterstützt. Mir war aber wichtig. dass sie eine solide Ausbildung machen." Sabine lernte Hotelfachfrau. half im Familienbetrieb mit. Dem Ring blieb sie aber treu und siegte 1996 als erste Frau beim 24-Stunden-Rennen. Immer wenn es passt. steht Uschi an der Strecke: Winkt Sabine dann im Vorbeifahren, ist sie erleichtert - und sehr stolz.

 

Kreative Inspiration
Ulrike Hess, 62, Psychologin und Job-Coach, und Meike Hess, 27, Schauspielerin

Dass ihre Mutter eine Firma leitet. war für Meike Hess als Kind ganz normal: "Erst später habe ich realisiert. was sie leistet. Ihr Optimismus. mit dem sie Probleme angeht. hat mich geprägt." Auf ihre Kompetenz als Job-Beraterin pocht Ulrike Hess im Umgang mit ihrer Tochter nicht: "Als Meike ihr schauspielerisches Talent entdeckte, haben wir darüber gesprochen. Aber bei Entscheidungen lässt sie sich nicht reinreden." Gibt's am Theater Probleme. ruft Meike sie dennoch gern an: "Meine Mutter weiß oft pragmatische Lösungen und kann mich toll aufbauen - das tut fast so gut wie Applaus."

 

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