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Anders als die traditionelle Unterrichtsgestaltung, die ihren Schwerpunkt auf die Instruktion legt und infolgedessen sogenanntes "träges Wissen" hervorbringt, setzt die Unterrichtsmethode des Problemorientierten Lernens (POL) darauf, anwendbares Wissen zu fördern. Das Konzept hinter POL: Anwendungsorientiertes Wissen kann nur erworben werden, wenn die Lernenden einen aktiven Part im Unterricht übernehmen und der Unterricht Anregungen zu Reflexion und Transferleistungen gibt. Die Anfänge des Problemorientierten Lernens gehen auf ein pädagogisches Konzept zurück, das Ende der sechziger Jahre an der medizinischen Fakultät der McMaster University in Hamilton, Kanada, entwickelt wurde. Von dort verbreitete sich das problembased learning (PBL) nach und nach auch an andere Universitäten. Heute ist es besonders in Kanada, den Vereinigten Staaten sowie in Australien, Südafrika und Südostasien verbreitet. In Europa erarbeitete die Universität Maastricht, die 1974 neu gegründet wurde, ein eigenes Curriculum mit einem didaktisch neuen Studienkonzept, dem Problemorientierten Lernen (POL). Es ähnelt dem problembased learning, ist ihm aber nicht ganz gleichzusetzen. Dieses findet heute Anwendung in Skandinavien, Großbritannien und vereinzelt in Italien, Belgien, Spanien, Portugal, Ungarn und Deutschland. Der entscheidende Unterschied zu üblichen Lernformen ist, daß sich der Schüler beim Problemorientierten Lernen vom Konsumenten, der dem Unterricht passiv folgt, zu einem eigenverantwortlichen, selbstreflektierenden, kommunikativen und teamfähigen Teilnehmer wandelt. Zu diesem neuen Selbstverständnis der Schülerrolle gehört es, daß in jeder Lerneinheit jeweils ein Schüler die Moderation übernimmt, ein zweiter den Unterricht kritisch beobachtet und ein dritter die Ergebnisse der Gruppenarbeit an der Tafel festhält. Die neue Rolle des Lehrers besteht darin, den Ablauf des Unterrichts zu beobachten und bei Bedarf einzugreifen, indem er den ins Stocken geratenen Lernnrozeß durch geschickte Fragen wieder in Gang bringt. Dem Lehrer oder Dozenten kommt somit die Rolle eines Tutors, eines kompetenten Lernberaters und Coaches zu. Der Lehrer wandelt sich somit auch vom mit Fachwissen ausgestatteten Spezialisten zum Generalisten. Seine Aufgabe ist es, zu erklären und zu strukturieren, ohne die Schüler ständig zu kontrollieren, aber auch ohne sie sich selbst zu überlassen. Es gilt, Impulse zu geben, zu unterstützen und zu beraten. Durch diese Herangehensweise, welche die Lernenden bewußt aktiviert, fordert POL das Interesse der Schüler am Schulstoff. Den Lernenden selbst obliegen soweit wie möglich die Planung, Ausführung und Kontrolle des Lernstoffs. Gleichzeitig wird soziales Lernen gefördert, da die Schüler zur Erfüllung der Aufgabe miteinander kommunizieren und Kompromisse schließen müssen. Daher sind die Motivation und die Lernfreude der Schüler höher als bei herkömmlichen Unterrichtsmethoden, und die Lernenden wissen die erworbenen Erkenntnisse besser anzuwenden. So erwächst durch POL ein hoher Grad der Identifizierung von Lernenden und Lehrenden mit dem eigenen Tun, der eigenen Arbeit und dem Lebensraum Schule. Strategie und Soft skills Problemorientiertes Lernen muß nicht erst in der Berufsausbildung oder im Studium zum Einsatz kommen. So sehen beispielsweise schon jetzt die Rahmenlehrpläne der Länder Berlin, Brandenburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern für die Grundschule seit 2002 vor, daß bei der Gestaltung des Lernens Wert auf die Gestaltungsebenen Aktivitätsentwicklung, Kooperationsförderung und systematisches Lernen gelegt wird. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Erwerb von Lernstrategien und sozialen Fähigkeiten. Problemorientiertes Lernen wird so zum Beispiel schon in vielen Grundschulen im Mathematikunterricht eingesetzt. Eine weitere denkbare Fortführung des problemorientierten Lernprozesses ist der völlige Verzicht auf alle Schulfächer. Auch hier gibt es insbesondere im Ausland beachtenswerte Erfahrungen und Erfolge. So wird POL bei einem niederländisch-deutschen Kooperationsprogramm zur Physiotherapieausbildung angewendet. Ausgangspunkt einer jeden Unterrichtsaktivität ist hierbei eine authentische und komplexe schriftliche Problemstellung, die nach der POL-Methodik des 7-Sprunges bearbeitet wird. Die erste Phase sind Schritt 1 bis 5, die in der Unterrichtsgruppe umgesetzt werden: In Gruppenarbeit wird der Text von den Schülern erläutert. Begriffe werden von ihnen erklärt. Anschließend bestimmen die Schüler die Art der Aufgabe und definieren das Problem. Danach analysieren sie das Problem und erarbeiten gemeinsam Lösungsvorschläge. Im nächsten Schritt überprüfen sie die Ergebnisse und formulieren Lernziele. Die zweite Phase ist das selbständige Arbeiten in Schritt 6: An diesem Punkt ist die Gruppenarbeit zunächst beendet, und jeder Schüler recherchiert nun selbständig oder in Kleingruppenarbeit, um die formulierten Lernziele zu erreichen. Dazu ist eine Medienlandschaft mit Computern und Internetzugang, Online-Fachzeitschriften, Büchern, CDs, Videos oder Modellen vorzuhalten. Die dritte Phase findet wieder in der Unterrichtsgruppe als Schritt 7 statt: Die Schüler tragen die Ergebnisse ihrer Arbeit zusammen, erarbeiten eine Synthese, überprüfen die neuen Informationen und evaluieren sie. Parallel dazu findet das sogenannte Fähigkeitstraining statt, indem die theoretisch erarbeiteten Kenntnisse die praktische Problemlösung erleichtern. Hier setzt der Lehrer seine Spezialkenntnisse ein, um die Schüler bei ihrem konkreten Tun anzuleiten.
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